ÜBER MICH

Melanie Grabner

RESPEKT VOR DEM LEBEN

Ich wünsche mir mehr Respekt und Achtung für unsere überlebenswichtigen, grünen Mitbewohner. Pflanzen, von der Alge bis zum Baumriesen, werden nicht ohne Grund als Primärproduzenten bezeichnet. Ohne sie könnte nämlich kein anderes Leben existieren. Ihre Energie beziehen sie vom Sonnenlicht. Von ihnen kommt der Sauerstoff in der Atmosphäre. Gleichzeitig stellen sie Nahrung und Biomasse für fast alle anderen Lebewesen bereit. Der Mensch nutzt Pflanzen direkt und indirekt, als Nahrungsquelle für sich und die Tiere, von denen er lebt, aber auch als Rohstofflieferant, Treibstoff, Luftreiniger, manchmal auch nur als Sammelobjekt oder zur Dekoration. Pflanzen sind von sich aus schön, sie beruhigen, ordnen sich in Form und Wachstum manchmal zu bezaubernden Fraktalen (Fraktal = komplexes geometrisches Gebilde). An Orten größter Zerstörung schaffen Pflanzen als Pioniere neue und weiterere Lebensräume. Sie wollen auf ihre Weise leben, wachsen und gedeihen.

Erhaltung seltener, historischer und regionaler Sorten

Zur Wahrung und Weiterentwicklung der Züchtungserfolge der letzten Jahrhunderte richte ich meine Arbeit auf die Entstehung freier, privater und lebendiger Genbanken in unseren Hausgärten oder Äckern aus. Je mehr Saatgut auf traditionelle Weise erhalten und weiterentwickelt wird, desto größere Chancen haben wir, uns in Zeiten mit wechselndem Klima, unbeständigen wirtschaftlichen Verhältnissen und zunehmender Umweltzerstörung mit gesunden Nahrungsmitteln selbst zu versorgen.

Liebenswerte Pflanzenvielfalt

Es sind für mich die kleinen Dinge, wie wechselnde Farbnuancen einer Blüte oder skurril geformte Tomatenfrüchte, die einfach „nur“ schön sind und Freude bereiten.

Pflanzen besiedeln jede Art von Lebensraum, ob winzig bis großflächig, und haben in evolutiven Zeiträumen von Millionen von Jahren höchst artenreiche und unterschiedliche Lebensgemeinschaften in geografisch voneinander abgegrenzten Ökosystemen gebildet. Gärten können im besten Fall die Natur ein Stück weit widerspiegeln, wenn sie naturnah strukturiert sind und aus heimischen Arten bestehen. Zusätzlich sollte jeder Mensch wenigstens einen kleinen Gemüsegarten haben bzw. mitnutzen dürfen, um seine Ernährung ein Stück weit unabhängiger und vor allem naturnäher gestalten zu können. Für uns Menschen wäre es ein gewaltiger Fortschritt, unsere Natur mit den seit Millionen von Jahren heimischen Pflanzenarten zu achten und sie in unser Leben zu integrieren. Dann würde vermutlich auch viel mehr Menschen bewusst, welch herrliche Sortenvielfalt durch mühevolle Züchtungsarbeit allein innerhalb der letzten 2.000 Jahre entstanden ist und uns weiter zur Verfügung stehen kann. Zu diesem Prozess möchte ich mit meiner Arbeit einen Teil beitragen.

Im menschlichen Treiben fast unbemerkt, verschwinden nicht nur natürliche Lebensräume, sondern auch das Wissen über Anbau, Verwertung, Kulturtechniken und unzählige Details. Damit ist auch die genetische Vielfalt massiv gefährdet. In der Natur sterben weltweit jeden Tag unzählige Tier- und Pflanzenarten durch menschliche Aktivität und Ignoranz aus. Und die vom Menschen züchterisch erzeugte Vielfalt historischer und regionaler Nutzpflanzensorten nimmt kontinuierlich ab, weil mit der Veränderung der Lebensgewohnheiten der Anteil frisch und selbst zubereiteter Speisen (vom Garten auf den Teller) kontinuierlich geringer wird. „Convenience Food“ liegt schon seit mindestens 1970 voll im Trend.